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Am Ende ‚nur’ EM-Vierte
(Nachricht vom 04.10.2009, 21:16 Uhr )Die deutschen Frauen sind für eine insgesamt tolle Turnierleistung am Ende nicht belohnt worden. Im ‚kleinen Finale’ verlor die DVV-Auswahl gegen Gastgeber Polen mit 0:3 (16-25, 19-25, 23-25). Damit wurden die deutschen Frauen ‚nur’ EM-Vierte. Trotz der undankbaren Platzierung zeigte die DVV-Auswahl bei der EM aber insgesamt sehr gute Leistungen, die Hoffung auf eine erfolgreiche Zukunft machen können. Startformation Deutschland: Kathleen Weiss, Maren Brinker, Christiane Fürst, Corina Ssuschke, Margareta Kozuch, Heike Beier und Libero Kerstin Tzscherlich Startformation Polen: Anna Baranska, Agnieszka Bednarek-Kasza, Milena Maria Sadurek-Mikolajczyk, Katarzyna Gajgal, Aleksandra Jagielo, Joanna Kaczor und Libero Mariola Zenik Wie vermutet muss das deutsche Team in diesem so bedeutenden Spiel nicht nur gegen das polnische Team antreten, sondern auch gegen die knapp 14.000 polnischen Fans, die eine gigantische Atmosphäre in der ausverkauften ‚Atlas Arena’ erzeugen. Getragen von dieser Unterstützung starten die Polinnen stark in dieses ‚kleine Finale’. Mit 5-1 liegen die Gastgeber vorne als Bundestrainer Giovanni Guidetti mit einer Auszeit versucht wieder Ordnung und Ruhe in sein Team zu bringen. Dies gelingt dem deutschen Coach auch. Bis zur ersten Technischen Auszeit (TA) hat die DVV-Auswahl den Rückstand auf 3 Punkte verringert und beim Stande von 11-11 haben die deutschen Frauen dann den Ausgleich hergestellt. Zur deutschen Führung reicht es aber nicht, weil im DVV-Spiel immer wieder leichte Fehler zu finden sind. So führt der Gastgeber zur zweiten TA wieder mit 4 Punkten. Als nach der Pause Bednarek-Kasza zum Aufschlag für Polen kommt, ist der erste Satz entschieden. Mit 2 Assen und weiteren starken Aufschlägen aus denen die Polinnen Punkte erzielen können, zieht der Gastgeber auf 22-15 davon. Die Polinnen haben jetzt einen Lauf, den das DVV-Team nicht mehr stoppen kann. Baranska holt für ihr Team zuerst 8 Satzbälle und verwandelt den Ersten gleich selbst. Vor allem wegen einer schwachen Angriffsquote – gerade mal 28% erfolgreich – und keiner effektiven Blockarbeit hat das DVV-Team diesen ersten Satz klar mit 16-25 verloren. Der zweite Durchgang entwickelt sich am Anfang so wie der erste Satz. Polen ist viel druckvoller im Aufschlag und Angriff, dazu auch besser im Block postiert. Zudem leisten sich die deutschen Frauen in der Annahme und im Angriffsspiel leichte Fehler. So kann der Gastgeber von 8-5 zur ersten TA den Vorsprung auf 16-11 zur zweiten TA auszubauen. Guidetti wechselt nun Möllers für Weiß im Zuspiel und Thomsen für Brinker in der Annahme. Das deutsche Team kann den Rückstand kurzzeitig verringern, aber als die Polinnen mit ihrem starken Aufschlag die deutsche Annahme wieder ins wackeln bringen und sich bei zwei Aktionen die Netzkante für das polnische Team entscheidet, haben sich die Gastgeber auch den zweiten Durchgang – mit 25-19 - gesichert. Wie sich die Satzanfänge gleichen: Die Polinnen holen sich jeden deutschen Angriff in der Feldabwehr und können ihrerseits anschließend den Angriff durchbringen. Im deutschen Spiel ‚kränkelt’ es eigentlich in allen Bereichen. Die Annahme ist nur selten stabil, die Zuspiele oft zu ungenau und Angriff sowie Block zu uneffektiv. Erst gegen Mitte des Satzes schaffen es die deutschen Frauen in diesen Bereichen näher an ihre ‚Normalform’ heranzukommen und sofort gelingt der Ausgleich zum 14-14. Doch mit einer kleinen Aufschlagserie von Baranska kann sich der Gastgeber kurz nach der zweiten TA wieder mit 2 Punkten absetzen. Das deutsche Team bleibt jetzt aber dran, kann auch sein Sideout durchbringen und auf einen Punkt verkürzen. Dann kommt wieder Bednarek-Kasza zum Aufschlag und serviert gleich ein Ass. Die Polinnen ziehen mit 23-20 davon und das Match scheint entschieden. Doch durch das DVV-Team geht noch mal ein Ruck und die deutschen Frauen können zum 23-23 ausgleichen. Doch Wie schon im ersten Satz übernimmt in der Schlussphase Polens Kapitän Baranska die Verantwortung – mit Erfolg. Erst schlägt sie für ihr Team den Matchball heraus, dann macht sie das Match selbst zu. Mit einem harten Diagonalangriff durch den – wieder mal – ‚löchrigen’ deutschen Block holt die Außenangreiferin für Polen die überschwänglich gefeierte Bronze-Medaille. Fazit Man hatte sich im deutschen Team für diese Spiel so viel vorgenommen und der begründete Optimismus auf die Bronze-Medaille war bei den DVV-Frauen stark. Schließlich hatte man bei dieser EM so einige schwierige Spiele schon für sich entschieden und insgesamt eine tolle Turnierleistung gezeigt. Umso enttäuschter waren alle Beteiligten der DVV-Delegation, dass gerade in diesem wichtigen Spiel das deutsche Team seine schlechteste Turnierleistung zeigte. So hatten die DVV-Frauen gegen die gut spielenden Polinnen, die von den 14.000 Zuschauern phantastisch unterstützt wurden, keine Siegeschance. Natürlich darf man somit enttäuscht sein, wenn man in einem EM-Halbfinale steht und am Ende keine Medaille gewinnt. Aber wegen des undankbaren vierten Platzes darf man auch nicht die tolle Leistung außer acht lassen, die das DVV-Team bei dieser EM gezeigt hat. Unter anderem bei den Siegen gegen Serbien und die Türkei zeigten die deutschen Frauen ihre Klasse im spielerischen und mentalen Bereich und bestätigten damit ihre tolle Saisonleistung. Ungeschlagener Turniersieger bei der WM-Qualifikation in den Niederlanden, Bronze-Medaille beim World Grand Prix und nun viertbestes Team in Europa. Es war eine insgesamt tolle Saison der deutschen Frauen – auch ohne die EM-Bronze-Medaille. „Spielfilm“ 1. Satz: 1-5 (Baranska durch den deutschen Block), 5-8 (Baranska mit kurze, hartem Diagonalangriff), 10-11 (Beier legt den Ball hinter den Block), 12-16 (Bednarek-Kasza passt am Netz auf und drückt eine verunglückte deutsche Annahme direkt ins Feld), 14-20 (Bednarek-Kasza mit 2 Assen in Folge), 16-25 (Baranska verwandelt ein schlechte DVV-Annahme direkt zum Satzgewinn), 2. Satz: 2-4 (Jagielo mit 2 Assen in Folge), 5-8 (Brinker mit Aufschlagfehler), 6-11 (Fürst in Aus), 9-13 (Brinker mit dem Diagonalangriff), 16-11 (deutscher Annahmefehler), 19-22 (Fürst verwandelt einen Aufsteiger), 19-25 (das deutsche Team kann den polnischen Aufschlag nicht kontrollieren – auch der zweite Satz geht an den Gastgeber) 3. Satz: 1-5 (der deutsche Block kriegt nicht einen polnischen Angriff zu fassen), 6-7 (Kozuch mit Ass), 6-8 (Baranska schlägt den deutschen Block an), 7-11 (Gajgal mit 2 Assen hintereinander), 13-14 (Block von Kozuch), 15-16 (Kozuch schlägt Service knapp ins Aus), 18-19 (Ass von Ssuschke), 20-22 (Ass von Bednarek-Kasza), 22-23 (Kozuch mit dem Block gegen Baranska), 23-25 (Baranska holt mit einem Diagonalangriff für Polen die Bronze-Medaille) Stimmen zum Spiel Bundestrainer Giovanni Guidetti: „Polen hat heute mit viel mehr Qualität gespielt als wir. Das polnischen Team und dieses unglaubliche Publikum haben diese Medaille absolut verdient. Ich möchte mich für diese tolle Veranstaltung bedanken, denn es war für uns ein großes Erlebnis in so einer tollen Atmosphäre Volleyball spielen zu dürfen. Leider haben wir heute nicht unsere Form gefunden. Unsere Annahme war überhaupt nicht stabil, unser Block war kaum da und mit dieser Leistung hatten wir heute keine Chance. Vielleicht hat uns das Turnier bis hierhin zu viel Kraft, im körperlichen und mentalen Bereich, gekostet!? Trotz dieser Niederlage möchte ich mich bei meinem Team bedanken. Die Spielerinnen haben uns in dieser Saison, diese EM eingeschlossen, so viele glückliche Momente geschenkt und wir werden auch in Zukunft noch viel Freude an diesem Team haben.“ Christiane Fürst, Team-Kapitän Deutschland: „Ich möchte den Polinnen gratulieren, denn sie haben heute sehr gut gespielt. Es ist sehr schade, dass unser Team für seine insgesamt sehr gute Turnierleistung nicht mit einer Medaille belohnt wurde. Aber wir haben uns diese Saison sehr gut entwickelt und ich bin mir sicher wir werden die nächsten Jahre noch besser und dann werden wir auch wieder Möglichkeiten erhalten um Medaillen zu spielen.“ Pitr Makowski, Co-Trainer Polen: “Als erstes möchte ich ein Kompliment ans das deutsche Team richten. Auch wenn wir heute gewonnen haben, das deutsche Team wird immer stärker und stärker, man sieht das die Arbeit von Giovanni Guidetti und seinem Team Früchte trägt. Wir freuen uns natürlich sehr über diese Bronze-Medaille, die sich das Team wirklich erarbeitet hat. Mein Dank geht auch an unsere Fans, die uns die gesamte EM unglaublich unterstützt haben. Aber lassen sie mich am Ende das Wichtigste sagen: Diese Medaille gehört unserem Head-Coach Jerzey Matlak. Er hat dieses Team so geformt, dass dieser Erfolg möglich war.“ Anna Baranska, Team-Kapitän Polen: „Ich möchte diesen Sieg unserem Head-Coach Jerzey Matlak und seiner kranken Frau widmen. Er hat dieses Team zusammengestellt und uns auf dieses EM vorbereitet. Ihm gebührt aller Dank. Viele Leute haben nicht an unser Team geglaubt, aber mit Unterstützung unserer großartigen Fans haben wir doch diese Medaille gewonnen. Das spricht für unser Team zusammen mit unseren Fans.“ Statistik GER: Aufschlag (6 Fehler und 3 Asse), Block (3 Punkte), Angriffsquote (40 %) POL: Aufschlag (7 Fehler und 11 Asse), Block (6 Punkte), Angriffsquote (45 %) Das deutsche Team gegen Polen: Lisa Thomsen (Schweriner SC), Kerstin Tzscherlich (Dresdner SC), Anne Matthes (Forli/ITA), Maren Brinker (USC Münster), Corina Ssuschke (Prostejov/CZE), Margareta Kozuch (Novara/ITA), Heike Beier (Piacenza/ITA), Kathleen Weiß (Perugia/ITA), Christiane Fürst (Bergamo/ITA), Sarah Petrausch, Lena Möllers (Rote Raben Vilsbiburg), Kathy Radzuweit (VT Aurubis Hamburg) (Autor: DVV)
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